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An das
Bundesministerium für Inneres, Abteilung IV/3
Landstraßer Hauptstraße 169
A-1030 Wien, AUSTRIA


Eingereicht über das
Generalkonsulat der Republik Österreich
Wrigley Building, Suite 707
400 North Michigan Avenue,
Chicago, IL 60611, USA


West Bloomfield, 30. Juli 2003


Zweiter Bericht / Holocaust Memorial Center, West Bloomfield, Michigan

Persönliche Daten

Gedenkdiener: DI Daniel Würinger, geb. am 14. Juni 1977
   
Zivildienstbescheid 254210/1-IV/3/a/ZDF/02 vom 21. Dez. 2001
   
Einsatzstelle: Holocaust Memorial Center
6602 West Maple Road, West Bloomfield, MI 48322, USA
Tel: +1 (248) 661-0840, Fax: +1 (248) 661-4204
   
Trägerorganisation: Verein für Dienste im Ausland
nach §12b ZDG
Hutterweg 6, A - 6020 Innsbruck, Österreich
   
Dienstzeitraum:   1. Dezember 2002 – 31. Jänner 2004
   
Berichtszeitraum: 1. April 2003 – 31. Juli 2003
   
Urlaubstage während des Berichtzeitraums: 19 Tage, vom 17. Juni bis zum 14. Juli 2003

 

Allgemeine Informationen:

Das Holocaust Memorial Center (HMC) in West Bloomfield, Michigan, wurde 1984 als erste Institution dieser Art in den Vereinigten Staaten von Amerika von der Shaarit Haplaytah Organisation gegründet. Es gilt als Vorbild für das United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C., das Museum of Tolerance in Los Angeles, Kalifornien, und das Museum of Jewish Heritage in New York.

Es besteht aus einem Museum, einer Bibliothek mit einem angeschlossenen Research Center und externen Archiven.

Das Museum
Das Museum zeigt die Schrecken der Verfolgung und Vernichtung der Juden in Europa durch das Nazi-Regime. Es versucht die Ereignisse vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Befreiung der Konzentrationslager anhand zahlreicher Daten und Fakten darzustellen. Es widmet sich aber auch den wichtigsten Aspekten der über 2000 Jahre alten jüdischen Kultur sowie der Geschichte der Diaspora vor 1920.

Die Bibliothek und das Archiv
Die Bibliothek und das Archiv des Centers beherbergen eine multilinguale Kollektion von über 15.000 Büchern, Videos, Mikrofilmen und elektronischen Medien, die sich mit der Geschichte, dem Hintergrund und den Auswirkungen des Holocaust beschäftigen. Die Bibliothek gilt nach der Library of Congress als die zweitwichtigste auf dem Gebiet der Holocaustforschung in den USA.

Das Oral History Department
Diese Abteilung der Bibliothek ist für die Aufnahme sowie die Archivierung von Oral History Videos (=Video-Interviews mit Holocaust-Überlebenden) zuständig.

Das Research-Center
Das Research-Center ermöglicht den öffentlichen Zugang zu den Beständen der Bibliothek und des Oral History Departments.


Umzug und Erweiterung des Holocaust Memorial Centers
Da das HMC den wachsenden Besucherströmen nicht mehr gewachsen ist, wird es im Herbst 2003 vom derzeitigen Standort auf dem Jewish Community Campus in West Bloomfield in ein neues Gebäude im 5 Meilen entfernten Farmington Hills übersiedeln.

Der derzeitigen Ausstellung des HMC, die für das neue Museum vollkommen überarbeitet und erweitert wird, steht ab Herbst rund die 10-fache Ausstellungsfläche zur Verfügung. Das neue Museum wird um die folgenden Bereiche erweitert: The International Institute of the Righteous und The Museum of European Jewish Heritage.

Die neue Bibliothek ermöglicht es die externen Archive wieder direkt in die Bibliothek des Centers einzugliedern und somit den administrativen Aufwand zu verringern sowie den Zugang zu den Materialien zu erleichtern.

 

Tätigkeitsbericht:

• Zeitliche Auslastung
• Mindestens 40 Stunden pro Woche, 5 Tage pro Woche, teilweise auch an Sonntagen.
• sowie Teilnahme und Mithilfe bei Veranstaltungen und repräsentative Tätigkeit außerhalb der regulären Dienstzeit.


• Tätigkeiten im Museum

Als fertig ausgebildeter Tourguide habe ich wöchentlich bis zu 3 Besuchergruppen (zu je 30 Personen) durch das Museum geführt. Durch diese Tätigkeit gelang es mir ein freundlicheres Bild von Österreich zu präsentieren als es manch andere Tourguides taten.

Des öfteren baten mich auch andere Tourguides mich während nicht von mir geführter Touren kurz den Besuchern vorzustellen und über die Vergangenheitsbewältigung Österreichs sowie über den Ersatzdienst im Ausland zu berichten. So sind z.B. die meisten Besucher überrascht zu hören wie intensiv man sich mit dem 2. Weltkrieg an Österreichs Schulen beschäftigt.


• Mitarbeit in der Bibliothek/im Archiv des Centers.

Auf meine vorhergehende Arbeit (Umstellung der technischen Infrastruktur der Website) aufbauend, überarbeitete ich das Design der gesamten www.holocaustcenter.org Website. Dies umfaßte sowohl die Aktualisierung sämtlicher Informationen der mehr als 500 Seiten umfassenden Homepage, als auch den Entwurf und die Implementierung eines neuen Designs.

Aufgrund des bevorstehenden Umzuges ist es unerläßlich geworden die wichtigsten Fotoalben aus dem Archivbestand digital zu archivieren, um sie für das Team der Museumsdesigner und in weiterer Folge für Besucher leichter zugänglich zu machen. Diese Tätigkeit ist ebenfalls mir unterstellt.

Eine meiner Tätigkeiten für die Bibliothek/das Archiv ist die Übersetzung deutscher Texte ins Englische. Dies dient entweder der Katalogisierung oder konkreten Projekten im Research-Center.

Neben den technischen Änderungen bin ich ebenfalls für das Aktualisieren der Homepage zuständig. Insbesondere die Oral-History-Video Sektion und der Online-Shop werden ständig erweitert.


• Tätigkeiten im Oral History Department

Meine Aufgabe ist der Auf- und Abbau der technischen Ausrüstung zur Aufzeichnung der Video-Interviews mit Holocaust-Überlebenden, sowie die technische Nachbearbeitung (Schnitt, Title, Vervielfältigung) der Video-Bänder.

Weiters bin ich (wie oben erwähnt) für die Aktualisierung der Website des Oral History Departments zuständig. Dies beinhaltet die Aktualisierung des Oral History Video-Indexes sowie das Erstellen der Zusammenfassungen der Videos.

 

• Tätigkeiten im Büro
Teilweise werde ich im Büro für die Beantwortung telefonischer Anfragen und zur Organisation des reibungslosen Ablaufs der Führungen eingesetzt. Im Detail beinhaltet dies Telefonate mit Schulen und Universitäten, das Buchen von Touren sowie die Betreuung von Holocaust-Überlebenden.

Gegen Ende Juni wurde das Museum täglich von bis zu 500 Schulkindern besucht. Da jede Führung in etwa 2 Stunden in Anspruch nimmt und die Koordination der verschiedenen Führungen z.T. nicht immer reibungslos ablief (Verspätung der Besuchergruppen, Erkrankungen von Holocaust-Überlebenden oder Tourguides, etc.) sprang ich regelmäßig als „Trouble-Shooter“ ein und übernahm zusätzliche Touren oder andere Tätigkeiten.


• Computer, Netzwerk

Meine Aufgaben umfassen die Administration des museumsinternen Netzwerks sowie der Peripheriegeräte, Backups des gesamten Datenbestandes und die Unterstützung des Museums-Personals bei Computerproblemen.

Aufgrund des bevorstehenden Umzuges assistierte ich der Museumsleitung bei der Auswahl der Computerinfrastruktur für das neue Museumsgebäude.


• Weiteres Engagement

Ich wurde von Rabbi Arnie Sleutelberg (Leiter der jüdischen Gemeinde Shir Tikvah in Troy, Michigan) eingeladen am Freitag, den 13 Juni 2003 einen Vortrag über meine Erfahrungen beim Gedenkdienst zu halten. Dieser 20-Minütige Vortrag (mit anschließender, ebenso langer Diskussion) wurde von der gesamten Gemeinde sehr wohlwollend aufgenommen und ich wurde gebeten noch weitere Vorträge im Großraum Detroit zu halten.

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