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An das
Bundesministerium für Inneres, Abteilung IV/3
Landstraßer Hauptstraße 169
A-1030 Wien, AUSTRIA


Eingereicht über das
Generalkonsulat der Republik Österreich
Wrigley Building, Suite 707
400 North Michigan Avenue,
Chicago, IL 60116, USA


West Bloomfield, 31. März 2003


Erster Bericht / Holocaust Memorial Center, West Bloomfield, Michigan

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich möchte diesen Bericht nützen, um mich bei Ihnen für die Möglichkeit einen Ersatzdienst im Ausland abzuleisten, zu bedanken.

Aufgrund der derzeitigen politischen Situation gewinnt der „Zivildienst im Ausland“ zusätzliche Signifikanz. Als Gedenkdiener repräsentieren wir sowohl unser Land als auch den Willen Österreichs zur Wiedergutmachung. Aber zusätzlich haben wir auch die Möglichkeit die lokale Bevölkerung über die Geschichte Europas und damit über die Hintergründe und Motivationen der derzeitigen Handlungen Europas zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen,


Daniel Würinger

 

Persönliche Daten

Gedenkdiener: DI Daniel Würinger
   
Einsatzstelle: Holocaust Memorial Center
6602 West Maple Road,
West Bloomfield, MI 48322, USA
Tel: +1 (248) 661-0840,
Fax: +1 (248) 661-4204
   
Dienstzeitraum:   1. Dezember 2002 – 31. Jänner 2004
   
Berichtszeitraum: 1. Dezember 2002 – 31. März 2003
   
Trägerorganisation: Verein für Dienste im Ausland
nach §12b ZDG
Hutterweg 6, A - 6020 Innsbruck, Österreich

 

Allgemeine Informationen:

Das Holocaust Memorial Center (HMC) in West Bloomfield, Michigan, wurde 1984 als erste Institution dieser Art in den Vereinigten Staaten von Amerika von der Shaarit Haplaytah Organisation gegründet. Es gilt als Vorbild für das United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C., das Museum of Tolerance in Los Angeles, Kalifornien, und das Museum of Jewish Heritage in New York.

Es besteht aus einem Museum, einer Bibliothek mit einem angeschlossenen Research Center und externen Archiven.

Das Museum
Das Museum zeigt die Schrecken der Verfolgung und Vernichtung der Juden in Europa durch das Nazi-Regime. Es versucht die Hintergründe der Ereignisse vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Befreiung der Konzentrationslager anhand zahlreicher Daten und Fakten darzustellen. Es widmet sich aber auch den wichtigsten Aspekten der über 2000 Jahre alten jüdischen Kultur, sowie der Geschichte der Diaspora vor 1920.

Eine Führung durch das Museum dauert durchschnittlich eineinhalb Stunden mit einem anschließenden, halbstündigen Vortrag eines Holocaust-Überlebenden.

Die Bibliothek und das Archiv
Die Bibliothek und das Archiv des Centers beherbergen eine multilinguale Kollektion von über 15.000 Büchern, Videos, Mikrofilmen und elektronischen Medien, die sich mit der Geschichte, dem Hintergrund und den Auswirkungen des Holocaust beschäftigen. Die Bibliothek gilt nach der Library of Congress als die zweitwichtigste auf dem Gebiet der Holocaustforschung in den USA.

Das Oral History Department
Diese Abteilung der Bibliothek ist für die Aufnahme sowie die Archivierung von Oral History Videos (=Video-Interviews mit Holocaust-Überlebenden) zuständig.

 

Das Research-Center
Das Research-Center ermöglicht den öffentlichen Zugang zu den Beständen der Bibliothek und des Oral History Departments.

Umzug und Erweiterung des Holocaust Memorial Centers
Da das HMC den wachsenden Besucherströmen nichtmehr gewachsen ist, wird es im Herbst 2003 vom derzeitigen Standort auf dem Jewish Community Campus in West Bloomfield in ein neues Gebäude in Farmington Hills übersiedeln.

Zusätzlich zu der derzeitigen Ausstellung wird das neue Museum um die folgenden Bereiche erweitert: The International Institute of the Righteous und The Museum of European Jewish Heritage.

Die neue Bibliothek ermöglicht es die externen Archive wieder direkt in die Bibliothek des Centers einzugliedern und somit den administrativen Aufwand zu verringern sowie den Zugang zu den Materialien zu erleichtern.

 

Tätigkeitsbericht:


• Zeitliche Auslastung
Mindestens 40 Stunden pro Woche, 5 Tage pro Woche, teilweise auch an Sonntagen; sowie Teilnahme und Mithilfe bei Veranstaltungen und repräsentative Tätigkeit außerhalb der regulären Dienstzeit.


• Tätigkeiten im Museum

Während der ersten zwei Monate war es meine Aufgabe mich auf die Führung von Besuchergruppen (meist Schulklassen oder Gruppen von Studenten) durch das Museum vorzubereiten. Ich eignete mir sowohl Wissen über den Holocaust und die jüdische Kultur als auch über das Führen von Gruppen an. Mittlerweile habe ich die Prüfung zum Tour-Guide bestanden und somit die Möglichkeit den Besuchern ein umfassendes Bild des Zweiten Weltkrieges zu präsentieren.

Auf Wunsch anderer Tour-Guides stehe ich auch nicht von mir geführten Gruppen für eine kurze Präsentation Österreichs und des Österreichischen Gedenkdienstes zur Verfügung.

Bei den meisten Führungen ergibt sich die Möglichkeit den Besuchern ein besseres Bild von Österreich und Europa zu vermitteln, als jenes das derzeit in den Medien präsentiert wird.

• Mitarbeit in der Bibliothek/im Archiv des Centers.
Eine meiner Tätigkeiten für die Bibliothek/das Archiv ist die Übersetzung deutscher Texte ins Englische. Dies dient entweder der Katalogisierung oder konkreten Projekten im Research-Center.

Ebenfalls in das Aufgabenfeld der Bibliothek fällt die Administration der Web-Site des Holocaust Centers. Während der vergangenen 4 Monate habe ich den technischen Hintergrund der Website umgestellt. Die Informationen werden nun Datenbanken entnommen anstatt der bisherigen Speicherung in HTML-Files. Zu den betroffenen Bereichen zählt die umfangreiche Sektion mit Holocaust-bezogenen Internet-Links sowie das Oral History Department und der Museum Shop.

Neben den technischen Änderungen bin ich ebenfalls für das Aktualisieren der Homepage zuständig. Insbesondere die Oral-History-Video Sektion und der Online-Shop werden ständig erweitert.

• Tätigkeiten im Oral History Department
Meine Aufgabe ist der Auf- und Abbau der technischen Ausrüstung zur Aufzeichnung der Video-Interviews mit Holocaust-Überlebenden, sowie die technische Nachbearbeitung (Schnitt, Title, Vervielfältigung) der Video-Bänder.
Weiters bin ich (wie oben erwähnt) für die Aktualisierung der Website des Oral History Departments zuständig. Dies beinhaltet die Aktualisierung des Oral History Video-Indexes sowie das Erstellen der Zusammenfassungen der Videos.

 

• Tätigkeiten im Büro
Teilweise werde ich im Büro für die Beantwortung telefonischer Anfragen und das Sicherstellen des reibungslosen Ablaufs der Führungen eingesetzt. Im Detail beinhaltet dies Telefonate mit Schulen und Universitäten, das Buchen von Touren, sowie die Betreuung von Holocaust-Überlebenden.

• Computer, Netzwerk
Meine Aufgaben umfassen die Administration des museumsinternen Netzwerks sowie der Peripheriegeräte und die Unterstützung des Museums-Personals bei Computerproblemen.

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